Update S3-Leitlinie Prostatakarzinom (PCa): Was ist neu?

Prof. Dr. Angelika Borkowetz, Rostock

Früherkennung, Diagnostik und Staging sowie Lokal- und Systemtherapie überarbeitet. Prof. Dr. Angelika Borkowetz stellte relevante Neuerungen vor. Insgesamt werden Diagnostik und Therapie noch stärker individualisiert.

Früherkennung: Screening wirkt 

„Screening bringt etwas“, konstatierte Prof. Borkowetz. Aktuelle Daten zeigen eine signifikante Reduktion der tumorspezifischen Mortalität um 13 %.1 Daher wird empfohlen, Männern ab 45 Jahren eine PSA-Bestimmung anzubieten. Als neuer Grenzwert wurde ein PSA-Wert von 3 ng/ml definiert. Wird dieser überschritten, soll eine weitere urologische Abklärung erfolgen, ggf. gefolgt von einer multiparametrischen Magnetresonanztomografie (mpMRT).2

Für Kontroversen hatte gesorgt, dass die digitale rektale Untersuchung (DRU) zum Screening bei jüngeren Männern nicht mehr empfohlen wird.3 „Die Tastuntersuchung bleibt im Rahmen der klinischen Untersuchung jedoch wichtig“, ordnete Prof. Borkowetz die Änderung ein. Bei familiärer Belastung soll prinzipiell ab 45 Jahren eine PSA-gestützte Früherkennung angeboten werden, bei bekannten BRCA2-Mutationen bereits ab dem 40. Lebensjahr.

Bild: Prof. Dr. Angelika Borkowetz

Diagnostik: risikoadaptiertes Vorgehen

„Die Diagnostik erfolgt auf Basis des PSA-Werts, gefolgt von einer individuellen Risiko-Evaluierung. Erst danach wird eine MRT durchgeführt und je nach Befund über eine Biopsie entschieden.“2 Bei PI-RADS-Läsionen 4 oder 5 soll eine gezielte Biopsie erfolgen, ergänzt durch eine systematische Biopsie bei Erstdiagnostik. Ein wichtiger und kostengünstiger Biomarker für die Beurteilung pro/kontra Biopsie sei die PSA-Dichte, erläuterte die Urologin. Bei einem Cut-off-Wert von 0,15 ng/ml/cm3 steigt das Risiko für ein signifikantes PCa.4 Die Biopsie kann sowohl transrektal − immer mit antibiotischer Prophylaxe − als auch transperineal durchgeführt werden.2

Staging: PSMA-PET/CT wird wichtiger 

Im Staging wurde die PSMA-PET/CT aufgewertet. Sie soll bei Patienten mit ungünstigem intermediärem Risiko (z. B. ISUP ≥ 3) oder Hochrisikokonstellation zur Metastasendetektion erfolgen.2

Lokaltherapie: differenziertes intermediäres Risiko 

Bei der Lokaltherapie wird zwischen günstigem und ungünstigem intermediärem Risiko unterschieden. Radikale Prostatektomie (RP) und Radiatio sind gleichwertig. In der Strahlentherapie können normofraktionierte oder moderat hypofraktionierte Schemata eingesetzt werden. Beim Hochrisiko-PCa soll die RP als Teil eines multimodalen Konzepts angeboten werden. Vor dem Hintergrund der erwarteten Daten aus der PROTEUS-Studie sei dies gewissermaßen schon der Türöffner für die perioperative Therapie mit Apalutamid in Kombination mit ADT, so Prof. Borkowetz. Bei lokal fortgeschrittenem hormonsensitivem PCa mit hohem Metastasierungsrisiko soll zusätzlich zur Radiatio eine hormonablative Therapie angeboten werden.2

Systemtherapie 

Kommt es zum biochemischen Rezidiv, wird bei hohem Progressionsrisiko eine zeitlich begrenzte Kombinationstherapie aus Enzalutamid und ADT empfohlen. Beim metastasierten hormonsensitiven PCa (mHSPC) stehen mehrere intensivierte Erstlinientherapien mit Empfehlungsgrad A zur Verfügung.

Anne Krampe-Scheidler

Berichterstattung:

Anne Krampe-Scheidler

Medizinjournalistin

Quellen

1 Roobol, M et al. European Study of Prostate Cancer Screening - 23-Year Follow-up. N Engl J Med 2025, 393 (17), 1669–1680.
2 Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, 2025, AWMF-Registernummer: 043-022OL, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/; Zugriff am 14.03.2026.
3 Krilaviciute, A et al. Digital Rectal Examination Is Not a Useful Screening Test for Prostate Cancer. Eur Urol Oncol 2023, 6 (6), 566–573.
4 Wang, S et al. Diagnostic Performance of Prostate-specific Antigen Density for Detecting Clinically Significant Prostate Cancer in the Era of Magnetic Resonance Imaging: A Systematic Review and Meta-analysis. Eur Urol Oncol 2024, 7 (2), 189–203.