Die Dresdner Kronenapotheke 1908

Es begann in einer Apotheke

Wie viele pharmazeutische Unternehmen ist auch APOGEPHA aus einer Apotheke hervorgegangen. 1882 begründete der Apotheker C. Stephan einen Fabrikationsbetrieb, den er später mit dem Laboratoriumsbetrieb der Dresdner Kronenapotheke zu einem selbstständigen Unternehmen vereinigte.

Nach mehrfachem Wechsel des Besitzers trennten sich die Wege der heute noch existierenden Dresdner Kronenapotheke und des Fabrikationsunternehmens im Jahr 1913. Fünf Jahre später bezog der Fabrikationsbetrieb, damals noch unter "C. Stephan: Fabrik für chemisch-pharmazeutische Produkte" firmierend, die neuen Herstellungsräume in Dresden Striesen, die heute noch Firmensitz des Unternehmens sind.

Die düstere wirtschaftliche Situation nach Ende des Ersten Weltkrieges und die fortschreitende Inflation zwangen das Unternehmen zur Gründung einer Aktiengesellschaft (1921).

In dieser Zeit traten die Leowerke und damit Ottomar von Mayenburg, der Erfinder der Chlorodont-Zahncreme, in die Führung des Unternehmens ein. Wenige Jahre darauf übernahmen die Leowerke das Unternehmen zu 100 Prozent. Im Jahr 1931 verkauften die Leowerke das pharmazeutische Unternehmen an die Sächsische Apothekergenossenschaft, die damit eine eigene Arzneimittelherstellung in größerem Stil begründen wollte. Aber nur kurze Zeit darauf zwang die wirtschaftliche Situation die Apotheker, in Liquidation zu gehen.

Den heutigen Namen verdankt APOGEPHA dieser Zeit, seit 1931 firmierte das Unternehmen unter dem Namen "APOGEPHA". Er leitet sich ab aus der damaligen Firmenbezeichnung: »Apothekergenossenschaft für Herstellung und Vertrieb pharmazeutischer Präparate C. Stephan e. G. m. b. H.«.

Der Firmensitz der APOGEPHA in Dresden Striesen in den 1930er Jahren

Mutiger Neubeginn

Als der noch jungen APOGEPHA 1933 das wirtschaftliche Aus drohte, entschloss sich der damalige Betriebsleiter Dr. Johannes Starke – gemeinsam mit dem Leipziger Kaufmann Max Biering – das Unternehmen aus der Liquidation heraus zu kaufen und weiterzuführen. Eine zur damaligen Zeit sehr mutige Entscheidung, der der Fortbestand und die weitere Entwicklung des Unternehmens zu verdanken war.

Den Jahren des wirt­schaft­li­chen Aufschwungs folgte 1945 die fast voll­stän­dige Zerstö­rung der APOGEPHA. In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurden die Gebäude auf der Kyff­häu­ser­straße zu 90 Prozent zerstört. Dem persön­li­chen Einsatz von Dr. Johannes Starke und seinen Mitar­bei­tern, die unver­züg­lich mit dem Wieder­aufbau begannen, sowie der klugen Vorrats­po­litik der Firmen­lei­tung war es zu verdanken, dass APOGEPHA als erstes phar­ma­zeu­ti­sches Unter­nehmen in Dresden bereits wenige Tage nach den Angriffen wieder Arznei­mittel auslie­fern konnte. Mit so genannten Einheits­pa­keten wurden die Apotheken und Kran­ken­häuser der Stadt mit den wich­tigsten Medi­ka­menten versorgt.

Produktionsraum in den 1950er Jahren

Die Jahre nach dem Krieg wurden auch für APOGEPHA zur Überle­bens­probe. Das Arznei­mit­tel­pro­gramm und die Rohstoff­zu­fuhr wurden dras­tisch einge­schränkt und so zitterte man so manchen Tag um den erfor­der­li­chen Mindest­um­satz. In dieser Zeit bemühte sich Dr. Johannes Starke verstärkt um Lohn­auf­träge und begann die chemi­sche Synthese in den Geschäfts­be­trieb einzu­führen.

Doch die sich entwickelnde Privatindustrie war der Partei ein Dorn im Auge. 1953 folgte die "vorübergehende Enteignung". In einer wochenlangen Betriebsprüfung wurde ein geeigneter Anlass gesucht und schließlich gefunden. Dr. Johannes Starke wurde des Betriebes verwiesen und ein Treuhänder eingesetzt. Angesichts des wachsenden politischen Druckes wurden alle restriktiven Maßnahmen am 9. Juni 1953 zurückgenommen. In den Wochen der Treuhandschaft hatte das Unternehmen einigen Schaden genommen hatte. Der Treuhänder hatte etwa ein Drittel der Belegschaft entlassen, das Bankkonto des Unternehmens war fast vollständig geleert worden.

Dr. Johannes Starke

Nach dem Studium der Pharmazie und Approbation als Apotheker sowie Abschluss des Chemiker-Verbandsexamens und Promotion war Dr. Johannes Starke am 1. Oktober 1928 im Alter von 32 Jahren in den Dienst der Leo-Werke getreten und hatte kurze Zeit später die technische Leitung der »Abteilung C. Stephan« übernommen. Diese Funktion behielt er auch, nachdem der Betrieb auf die Apothekergenossenschaft übergegangen war. Als geschäftsführender Komplementär leitete er die Apogepha bis zu seinem Tod im Jahr 1968.

APOGEPHA als halbstaatliches Unternehmen

Im April 1960 wurde APOGEPHA mit Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrages zum „Betrieb mit staatlicher Beteiligung“ (BSB) und firmierte fortan unter »BSB Apogepha Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate Dr. Starke KG«. Staatlicher Gesellschafter wurde zunächst die Deutsche Investitionsbank, später der VEB Arzneimittelwerk Dresden (AWD).

In den folgenden Jahren kam es zu einem enormen Produktionszuwachs, nicht zuletzt auch durch die Entwicklung des Auslandsgeschäftes. Dr. Johannes Starke war in dieser Zeit bemüht, diesem Wachstum durch Erneuerung und Erweiterung der materiell-technischen Ausstattung des Unternehmens gerecht zu werden. Mit großem persönlichem Engagement kämpfte er um dringend erforderliche Investitionen.

Am 1. Januar 1967 fusionierte die halbstaatliche APOGEPHA mit dem BSB Dr. Kirch in Dresden-Weißig. Die Fusion bot für beide Firmen Vorteile. Ziel war vor allem, die räumliche Beengtheit, die die weitere Entwicklung der Firma – vor allem auf dem Gebiet der Forschung, Entwicklung und Produktion neuer pharmazeutischer Präparate – behinderte, zu beseitigen.

Nach dem Tod von Dr. Johannes Starke im Jahr 1968 übernahm sein Sohn Dr. Christian Starke die Leitung des Unternehmens. Dies war für die damalige Situation durchaus nicht selbstverständlich, denn oft wurde der Generationswechsel benutzt, um Unternehmen zu verstaatlichen.

Erzwungene Freiwilligkeit

1972 folgte schließlich die Enteignung des bis dahin halbstaatlichen Betriebes, APOGEPHA wurde zum VEB (Volkseigener Betrieb). Unter wirtschaftlichem und politischem Druck gab Dr. Christian Starke am 3. April 1972 die "freiwillige Erklärung" ab, die APOGEPHA an den Staat zu verkaufen. Er übernahm zunächst auch die Leitung des VEB Apogepha.

Am 1. Juli 1974 wurde der VEB Apogepha mit dem VEB Pharmaka, ein Betrieb der zuvor aus der Vereinigung kleinerer enteigneter Pharmabetriebe hervorgegangen war, zusammengelegt.

Die Leitung dieses Betriebes übernahm der damalige Betriebsleiter des VEB Pharmaka. Dr. Christian Starke gab die Leitung ab, da er nicht bereit war, politische Kompromisse einzugehen. Fortan leitete er die Forschung des VEB Apogepha.

Mit der Zuordnung zum Sächsischen Serumwerk Dresden im Jahr 1983 war APOGEPHA am Tiefpunkt ihrer Firmengeschichte angelangt. Das Unternehmen verlor damit gänzlich seine wirtschaftliche und juristische Existenz.

Der heutige Firmensitz der APOGEPHA in Dresden Striesen

„Das Wunder der Wende“

Bereits am 12. Februar 1991 unterzeichnete Dr. Christian Starke den Reprivatisierungsvertrag mit der Treuhand. APOGEPHA gehörte damit zu den ersten Pharmaunternehmen der neuen Bundesländer, die reprivatisiert wurden.

Wohl kaum eine Zeit in der Geschichte von APOGEPHA war so schnelllebig und von Veränderungen geprägt wie diese: Reprivatisierung und Begründung eines juristisch selbstständigen Unternehmens, der Aufbau einer Infrastruktur und die Schaffung der Voraussetzungen für die weitere Verkehrsfähigkeit der Produkte, der Aufbau eines Vertriebes, neuer Fertigungsanlagen und vieles mehr – all das galt es praktisch gleichzeitig zu tun.

1996 konnte das Unternehmen die neu errichtete, eigene Fertigung in Dresden-Lockwitz einweihen.

Der Weg in das 21. Jahrhundert

Mit Übertra­gung der Gesell­schaf­ter­an­teile im Jahr 2011 befindet sich APOGEPHA nunmehr in dritter Gene­ra­tion in Fami­li­en­be­sitz. Seit 2015 lenkt die Familie Starke die Geschicke des Unternehmens über einen kontrollierenden Beirat.

Lizenznahmen sind neben der eigenen Entwicklung eine wichtige Säule, das Produktportfolio zu erweitern. APOGEPHA kooperiert mit einer Anzahl großer, international agierenden Pharmaunternehmen bei der Vermarktung von urologischen Produkten.

In den letzten Jahren wurde im Rahmen der Internationalisierung ein großes Partnernetzwerk aufgebaut. Die Produkte der APOGEPHA werden in mehr als 20 Ländern vermartket.

2019 trennte sich APOGEPHA von der eigenen pharmazeutischen Herstellung, die viele Jahre eine Kernkompetenz des Unternehmens war. Vor allem gesundheitspolitische Entwicklungen und zunehmender Kostendruck führten zu dieser Entscheidung. Die Herstellung der APOGEPHA-Produkte erfolgt seitdem in gewohnt hoher Qualität durch namhafte Auftragshersteller in Deutschland und Europa.

Mit dieser Entscheidung vollzog APOGEPHA eine strategische Neuausrichtung, das Unternehmen fokussiert sich auf die Entwicklung, Einlizenzierung und Vermarktung urologischer Arzneimittel.

APOGEPHA ist heute ein anerkanntes Arzneimittelunternehmen im Therapiegebiet Urologie. Ihre Kernkompetenz sieht die APOGEPHA Arzneimittel GmbH in der Entwicklung und im Vertrieb urologischer Arzneimittel, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Unsere Chronik

1882 Gründung durch den Apotheker C. Stephan
1933 Fortsetzung durch Dr. Johannes Starke und Max Biering unter dem Namen APOGEPHA
1945 Zerstörung zu 90 Prozent. In der Folgezeit erweiterter Wiederaufbau. Aufnahme der chemischen Synthese in den Geschäftsbetrieb
1953 Vorübergehende Enteignung
1960 Aufnahme staatlicher Beteiligung
1968 Dr. Johannes Starke stirbt. Fortsetzung des Geschäftes unter Leitung von Dr. Christian Starke
1972 Enteignung und Überführung in den VEB Apogepha
1974 Dr. Christian Starke übernimmt die Leitung der Forschung des VEB Apogepha
1983 Auflösung des VEB Apogepha durch Eingliederung in den VEB Sächsisches Serumwerk Dresden
1991 Reprivatisierung durch Dr. Christian Starke
2011 Übertragung der Gesellschafteranteile an die dritte Generation
2016 Verdopplung der Vertriebsmittarbeiter
2017 Ausweitung Internationale Tätigkeiten auf China, Kanada und Spanien
2019 Erweiterung der uro-onkologischen Therapiegebiete um Nierenzellkrebs