Aufbau und Funktion des Harnsystems

Das Harnsystem besteht aus den Nieren sowie den ableitenden Harnwegen, zu denen Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase und Harnröhre gehören. Die Funktion ist bei Frau und Mann gleich, es bestehen aber anatomische Unterschiede.

harnsystem-apogepha-illustration
Abb. 1: Anatomie des Harn­sys­tems

Die Nieren haben die Funktion, die im Blut gelösten Stoffwechselabbauprodukte des Körpers sowie Wasser aus dem Blutkreislauf herauszufiltrieren. Der dadurch gebildete Urin wird über die Nierenbecken und die Harnleiter in die Harnblase geleitet (Abb. 1).

Von entscheidender Bedeutung bei der Urinbildung ist das antidiuretische Hormon (die Wasserausscheidung hemmendes Hormon; ADH oder Vasopressin). Dieses senkt die Urinmenge durch Wasserrückgewinnung in den Nieren deutlich. Nachts steigt der Spiegel des antidiuretischen Hormons im Körper und führt so zu einer verminderten Produktion von Urin während des Schlafes. Im Normalfall führt das dazu, dass wir nachts nicht auf die Toilette müssen.

harnblase-apogepha-illustration
Abb. 2: Harnblase

Die Harn­blase (Abb. 2) liegt im unteren Bereich der Bauch­höhle hinter dem Scham­bein. Sie ist ein Hohl­organ, das von einer Schicht glatter Musku­latur umgeben ist. Ihre Funk­tion besteht darin, den Urin, der aus den beiden Harn­lei­tern kommt, die in das Organ münden, zu sammeln und über die Harn­röhre nach außen zu leiten und auszu­scheiden.

Die Harn­blase wird durch einen spezi­ellen Verschluss­me­cha­nismus – Schließ­muskel/­​Becken­bo­den­mus­ku­latur – verschlossen, so dass vor der norma­ler­weise willent­lich gesteu­erten Entlee­rung kein Urin verloren wird.

Die Steuerung der Blasenentleerung

Die Blasenentleerung unterliegt normalerweise einer willentlichen Steuerung.

Abb. 3: Speicher- und Entleerungsfunktion der Harnblase

Im entleerten Zustand (Abb. 3a) ist der Blasen­muskel entspannt und der Schließ­muskel ange­spannt, die Blase ist verschlossen. Während der Füllung (Abb. 3b) bleibt der Blasen­muskel weiterhin entspannt und der Schließ­muskel bleibt ange­spannt, die Blase ist verschlossen. Während der Blasen­fül­lung regis­trieren die Nerven in der Blasen­wand ständig Füllungs­zu­stand und melden ihn an das Gehirn (Abb. 4).

Ist die Blase gefüllt, erfolgt über die Nerven eine Meldung an das Gehirn, dass eine Entleerung stattfinden muss. Die Entleerung kann willentlich gesteuert werden. Während der Entleerung (Abb. 3c) entspannt sich der Schließmuskel, d. h. der Blasenauslass öffnet sich und der Urin kann abfließen. Gleichzeitig kommt es zu einer Anspannung des Blasenmuskels, so dass der Urin zusätzlich aus der Blase gedrückt wird. Nach beendeter Entleerung spannt sich der Schließmuskel wieder an, die Harnröhre wird wieder verschlossen und der Blasenmuskel entspannt sich (Abb. 3a).

Die Funktion der Nieren und des ableitenden Harnsystems sind bei Frau und Mann identisch. Durch die Anatomie – im Wesentlichen geprägt durch die Geschlechtsorgane – gibt es jedoch Unterschiede „unterhalb“ der Blase.

Bei Frauen ist die Harnröhre durch die anatomischen Verhältnisse nur 3-4 cm lang und endet im Scheidenvorhof. Dadurch und durch die Nähe der Harnröhre zum Darmausgang sind Frauen insgesamt anfälliger für Harnwegsinfektionen als Männer. Bei der Frau wird außerdem der Beckenboden, der mit zum Verschlussmechanismus der Blase gehört, zusätzlich vom Geburtskanal (Vagina) durchbrochen. Vaginale Geburten oder auch ein Gebärmuttervorfall können zu einer Schädigung des Beckenbodens und damit des Verschlussmechanismus der Blase führen. Bei einer Schwangerschaft kann ein zusätzlicher Druck auf die Blase ausgeübt oder sie kann in ihrer Lage verändert werden, auch dabei sind Fehlfunktionen der Blasenentleerung möglich.

Beim Mann hat die Harnröhre eine Länge von ca. 20 cm und endet an der Spitze der Eichel am Penis. Unmittelbar unterhalb der Blase befindet sich die Vorsteherdrüse (Prostata). Diese kann bei einer Vergrößerung den Verschlussmechanismus der Blase beeinflussen. Dadurch kann es zu einer erschwerten Entleerung – auch bei ansonsten intaktem Harnsystem – kommen.