Saffron (Crocus sativus) for depression: a systematic review of clinical studies and examination of underlying antidepressant mechanisms of action
Lopresti AL, Drummond PD. Saffron. Hum Psychopharmacol. 2014 Nov;29(6):517-27
Hintergrund und Ziel
Safran wurde in einer kürzlich durchgeführten Metaanalyse als wirksam bei der Behandlung von Depressionen bestätigt (Hausenblas et al., 2013). Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, die potenziellen antidepressiven Wirkmechanismen von Safran zu untersuchen und eine erweiterte systematische Analyse der abgeschlossenen klinischen Studien zu Safran und Depressionen zu liefern. Die Wirksamkeit von Safran wurde im Vergleich zu Placebo und etablierten Antidepressiva bewertet.
Studiendesign und Studienpopulation
Für die Analyse wurden sechs randomisierte, doppelblinde Studien (RCTs) mit Placebo- oder Antidepressiva-Kontrollen aus renommierten elektronischen Datenbanken ausgewählt. Die kumulative Stichprobe bestand aus 230 Patient:innen mit der Diagnose „Major Depression“. Zu Beginn aller Studien waren die Teilnehmenden mindestens vier Wochen lang frei von Psychopharmaka. Die eingesetzten Safranextrakte wurden in Dosierungen von 30 mg pro Tag verabreicht. Die Behandlungsdauer lag zwischen sechs und acht Wochen. Die depressiven Symptome wurden mithilfe der Hamilton Rating Scale for Depression (HAM-D) erfasst.
Ergebnisse
In den beiden placebokontrollierten Studien zeigte Safran eine deutliche Überlegenheit gegenüber Placebo betreffend die Reduktion der depressiven Symptome/Symptomkomplexe, gemessen mit der HAM-D-17-Skala. In den vier Kontrollstudien mit Antidepressiva (Fluoxetin oder Imipramin) erwies sich Safran als nicht unterlegen. Die Unterschiede zwischen Safran und Antidepressiva waren statistisch nicht signifikant, während beide Substanzen Placebo signifikant überlegen waren. [Vgl. Tab. 1]. Verantwortlich für die antidepressive Wirkung von Safran sind vermutlich seine serotonergen, antioxidativen, antiinflammorischen, neuroendokrinen und neuroprotektiven Effekte. Die Häufigkeit der beobachteten Nebenwirkungen lag in der Safran-Gruppe meist über der in der Placebo-Gruppe und unter der in der Antidepressiva-Gruppe.

Diskussion
Die Ergebnisse sprechen für eine klinisch relevante antidepressive Wirkung von Safran. Besonders hervorzuheben ist die vergleichbare Wirksamkeit mit der von Antidepressiva bei gleichzeitig günstigerem Nebenwirkungsprofil. Die unterschiedlichen Safran-Standardisierungen hatten keinen Einfluss auf die Behandlungseffektivität. Limitationen ergeben sich aus den relativ kleinen Stichproben der Einzelstudien und deren geografischer Konzentration auf den iranischen Raum.
Schlussfolgerung
Die bisher durchgeführten Studien liefern erste Hinweise darauf, dass Safran zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt werden kann. Weitere Forschung ist erforderlich, um unser Verständnis der Rolle und Wirkmechanismen von Safran bei der Behandlung von schweren Depressionen zu vertiefen.