Nebenwirkungen im Griff – effektives Nebenwirkungsmanagement uro-onkologischer Therapien

Dr. Séverine Banek, Dresden

Prävention und Behandlung von Nebenwirkungen essenzieller Teil des Therapiemanagements

Am Beispiel des Prostatakarzinoms (PCa) skizzierte Dr. Frank Becker, wie rasant sich die Therapie in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt hat. „Wir haben einen Blumenstrauß an Therapien. Das Schöne ist: Es wird individueller. Das bedeutet aber auch: Wir müssen uns noch mehr Gedanken über Nebenwirkungen machen.“ Der rege Austausch unter den Teilnehmern zeigte, dass das Vorgehen zum Teil unterschiedlich ist und auch unkonventionelle Methoden genutzt werden.

Für die Therapie einer Neutropenie sei immer die klinische Bewertung entscheidend, betonte Dr. Séverine Banek. Aktuelle Daten zur Chemotherapie des PCa belegen, dass zweiwöchentliche Intervalle bzw. dosisadaptierte Konzepte das Risiko febriler Neutropenien reduzieren können, ohne dass die Wirksamkeit beeinträchtigt wird.1, 2 G-CSF ist gemäß S3-Leitlinie bei einem hohen Risiko für eine febrile Neutropenie indiziert.3 Seit Kurzem steht ein neuer lang wirksamer, nicht-pegylierter G-CSF zu Verfügung, der eine Innovation zur Prophylaxe der Chemotherapie-induzierten Neutropenie darstellt. Ein „Starter-Kit“ für Patienten unter Taxan-Therapie erleichtert das Management der Nebenwirkungen.

Nagelveränderungen treten nicht nur unter Taxanen, sondern auch unter FGFR-Inhibitoren auf, berichtete Dr. Banek. Bewährt haben sich lokale Kühlung sowie pflegerische Maßnahmen wie Nagelhärter, eine gute Feuchtigkeitspflege und Handschuhe. Zusätzlich kann es helfen, Hände oder Füße kurzzeitig in verdünntem Essig zu baden.4

Für kontroverse Diskussionen sorgte das Thema Knochenprotektion bei metastasiertem PCa. Insbesondere im Kontext moderner Kombinationstherapien sei dies ein Thema, „das uns immer mehr beschäftigen wird und beschäftigen sollte“, so Dr. Banek. Unter der Kombination einer Standard-ADT mit einem Androgenrezeptor-Pathway-Inhibitor erhöht sich das Risiko von Knochenbrüchen und Stürzen erheblich.5 Die S3-Leitlinie empfiehlt bei Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem PCa (mCRPC) und Knochenmetastasen eine medikamentöse Knochenprotektion. Mangels überzeugender Daten und wegen des Risikos für Kieferosteonekrosen gilt dies aber nicht im hormonsensitiven, metastasierten Stadium (mHSPC).6 Diskutiert wurden der geeignete Zeitpunkt sowie der Stellenwert bildgebender Verfahren, um ein erhöhtes Frakturrisiko abschätzen zu können. Auch der Einfluss des Therapieansprechens auf den Knochenstoffwechsel spielte eine Rolle. 

 

Immer noch unterschätztwerde das Problem der Fatigue - „eine Nebenwirkung, die sehr schwer zu greifen ist, die aber gefühlt jeder Patient hat“, konstatierte Dr. Becker. Neben edukativen Maßnahmen spielen Schlafhygiene, die Analyse potenzieller Auslöser und regelmäßige Bewegung eine zentrale Rolle. Nahrungsergänzungsmittel sind dagegen kaum evidenzbasiert. 

Quellen

1 Oudard, S et al. Biweekly vs Triweekly Cabazitaxel in Older Patients With Metastatic Castration-Resistant Prostate Cancer: The CABASTY Phase 3 Randomized Clinical Trial. JAMA Oncol 2023, 9 (12), 1629–1638.

2 Grimm, MO et al. 3-weekly docetaxel 75 mg/m2 vs 2-weekly docetaxel 50 mg/m2 in combination with darolutamide + ADT in patients with mHSPC: Results from the randomised phase III ARASAFE trial. ESMO 2025; Abstr. LBA92.

3 S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Langversion 2.0, April 2025; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie (Abruf am 20.11.2025).

4 https://www.jnjmedicalconnect.com/products/balversa/medical-content/balversa-nail-disorders (Abruf am 20.11.2025).

5 Jones, C et al. Risk of Fractures and Falls in Men with Advanced or Metastatic Prostate Cancer Receiving Androgen Deprivation Therapy and Treated with Novel Androgen Receptor Signalling Inhibitors: A Systematic Review and Meta-analysis of Randomised Controlled Trials. European Urology Oncology 2024, 7 (5), 993–1004.

6 S3-Leitlinie Prostatakarzinom, Langversion 8.1, 2025, AWMF-Registernummer: 043-022OL; https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/prostatakarzinom/ (Abruf am 14.11.2025).