Interview zum Thema Blasenentzündung

Unsere Fragen rund um das Thema Blasenentzündungen beantwortet Frau Privatdozentin Dr. Jennifer Kranz. Sie ist Stellvertretende Klinikdirektorin an der Klinik für Urologie und Kinderurologie der Uniklinik RWTH Aachen und ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet urologischer Infektionen. Blasenentzündungen (medizinisch: Zystitiden) zählen neben den Atemwegsinfektionen zu den häufigsten bakteriellen Infektionen. Frauen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Männer.

Woran liegt es, dass eine Blasenentzündung vor allem Frauen trifft?

Die weibliche Harnröhre ist deutlich kürzer und ihre Mündung liegt näher am Darmausgang (After) als beim Mann. Das erleichtert Bakterien den Weg in die Blase. Über die körperlichen Gegebenheiten hinaus spielen auch biologische Faktoren, insbesondere hormonelle Einflüsse wie in den Wechseljahren, eine Rolle.

Was sollte man tun oder auch nicht tun, wenn es beim Wasserlassen plötzlich brennt?

Wenn es beim Wasserlassen brennt, ist es wichtig, viel zu trinken, um die Harnwege durchzuspülen. Koffeinhaltige und alkoholische Getränke sollten vermieden werden, da sie die Blase zusätzliche reizen können. Trotz des Brennens beim Wasserlassen sollte die Blase regelmäßig und vollständig entleert werden. Bessern sich die typischen Symptome nicht innerhalb weniger Tage oder verschlechtern sie sich sogar, sollte man ärztlichen Rat einholen.

Ist man nach einer einmaligen Blasenentzündung für immer geschützt?

Nein, leider nicht. Eine einmalige Blasenentzündung schützt nicht vor weiteren Harnwegsinfektionen. Es ist möglich, dass eine erneute Blasenentzündung auftritt, insbesondere wenn bestimmte Risikofaktoren wie beispielsweise ein lokaler Hormonmangel (Östrogendefizit) zugrunde liegen. Die gute Nachricht ist aber, dass man mit einer gezielten Vorbeugung das Risiko für wiederkehrende Blasenentzündungen senken kann.

Wie kann man sich vor einer weiteren Blasenentzündung schützen?

Zur Vorbeugung empfiehlt es sich, täglich mindestens 2 Liter Flüssigkeit zu trinken. Bei der Intimhygiene sollten milde, hautschonende Produkte verwendet und aggressive Reinigungsmittel sowie Intimsprays vermieden werden. Nach dem Geschlechtsverkehr hilft es, die Blase zu entleeren. Zudem sollte eine Unterkühlung vermieden und auf atmungsaktive Unterwäsche geachtet werden.

Wie schütze ich mich am besten vor einer Blasenentzündung? In den Sommermonaten? ImWinter?

Im Sommer ist es wichtig, nasse Badekleidung rasch zu wechseln und ausreichend zu trinken. Im Winter gilt es, den Unterleib und die Füße warm zu halten. Entscheidend ist, die Auslöser zu
erkennen, die das Risiko für erneute Infektionen erhöhen – und diese möglichst gezielt zu behandeln oder zu vermeiden.

Bei welchen Beschwerden sollte man sich bei einem Arzt vorstellen?

Ein Arztbesuch ist dringend empfohlen bei Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Schmerzen in
der Flankengegend sowie Übelkeit und Erbrechen. Solche Beschwerden können auf eine aufsteigende Infektion der Nieren (Nierenbeckenentzündung) hindeuten. Auch bei Beschwerden,
die länger als 3 Tage anhalten oder immer wiederkehren, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.


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