Harninkontinenz – was ist das eigentlich?

Die International Continence Society definiert Harninkontinenz als jeden unwillkürlichen Harnabgang, d.h. wenn es Betroffenen nicht (immer) möglich ist, Zeitpunkt und Ort der Harnausscheidung zu kontrollieren.

Diagnostik der Blasenschwäche

Aufgrund der verschiedenen Formen der Harninkontinenz ist die ärztliche Diagnose Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Im Rahmen der Diagnostik wird abgeklärt, an welcher Form der Harninkontinenz der Patient leidet und welche Faktoren die Erkrankung möglicherweise beeinflussen können.

Die Mehrheit der Harninkontinenzerkrankungen kann allein durch eine gründliche Anamnese sowie weitere einfache Untersuchungen ausreichend diagnostiziert werden. Die Diagnostik der Harninkontinenz wird in die Basisdiagnostik und die weiterführende Diagnostik unterteilt.

Die Basisdiagnostik kann von jedem Arzt durchgeführt werden.
Sie umfasst folgende Maßnahmen:

Erhebung einer Anamnese

Das allgemeine Anamnesegespräch dient der Abklärung der individuellen Trink- und Miktionsgewohnheiten, der medizinischen Vorgeschichte sowie bestehender Begleiterkrankungen und Therapien. Aber auch die Lebensgewohnheiten des Patienten spielen eine entscheidende Rolle, um auf mögliche Risikofaktoren aufmerksam zu werden.

Ausfüllen eines Inkontinenz-Fragebogens

Der Inkontinenzfragebogen dient zur Erkennung der Art und des Schweregrades einer Harninkontinenz. Je nach Antwort werden die 16 Fragen mit Punkten bewertet. Die Gesamtsumme ergibt sich dann aus der Addition aller Punkte und gibt Aufschluss über die Inkontinenzform, deren Schwergrad und die zu empfehlende Therapie.

Führen eines Trink- und Miktionsprotokolls über 3 Tage durch den Patienten

Mithilfe des Trink- und Miktionsprotokolls können Schweregrad und Form der vorliegenden Harninkontinenz eingeschätzt werden. Der Patient erfasst Anzahl der Toilettengänge, Urinmenge und auftretende Inkontinenzepisoden sowie die Trinkmenge detailliert.

Gründliche körperliche Untersuchung

Die klinische Untersuchung umfasst folgende Schritte: Äußerliche Untersuchung des Bauches, Untersuchung der äußeren Geschlechtsorgane, rektale Untersuchung, vaginale Untersuchung, Hustentest. Beim Hustentest wird überprüft, ob der Patient bei mittlerer Blasenfüllung unter Belastung Urin verliert.

Urinuntersuchung

Bei der Urinuntersuchung werden mittels Teststreifen Blutbeimengungen, Eiweiß und Bakterien im Urin nachgewiesen sowie der pH-Wert ermittelt.

Ultraschall (Sonografie)

Bei der sonografischen Untersuchung wird der obere und untere Harntrakt, vor allem die Nieren sowie die Harnleiter, kontrolliert. Darüber hinaus kann der Restharn bestimmt und die Dicke der Blasenwand gemessen werden.

Die weiterführende Diagnostik wird erst dann erforderlich, wenn die Basisdiagnostik Hinweise auf mögliche Komplikationsfaktoren gibt oder alle auf der Basisdiagnostik aufbauenden Therapiemaßnahmen keinen Erfolg brachten. Sie wird von einem Facharzt durchgeführt und umfasst folgende Untersuchungen:

  • Uroflowmetrie
    Messung des Harnflusses bei der Blasenentleerung
  • Röntgen
    Mit Kontrastmittel zur Erkennung von Fehlbildungen oder Organveränderungen
  • Urodynamik
    Kontrolle der Funktionsweise der Harnblase durch Messung von Blasendruck und Blasenvolumen.
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie)
    Untersuchung der Harnröhre und Harnblase durch ein Endoskop, meist als Video-Urethrozystoskopie durchgeführt.
  • Ergänzende neurologische Untersuchungen

Neurologische Zusatzdiagnostik, wenn ein Verdacht auf Störungen des Nervensystems besteht.

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