Tipps für Versicherte

Was ist eine chronische Erkrankung? Ab wann bin ich zuzahlungsbefreit? Diese und andere Fragen beantworten wir Ihnen gern mit unseren "Tipps für Versicherte".

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uns über Ihre Anregungen.

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Apothekenpflichtige Arzneimittel

Apothekenpflichtige Arzneimittel sind Arzneimittel, die nur in der Apotheke abgegeben werden dürfen. Nach  § 48 des deutschen Gesetzes über den Verkehr mit Arzneimitteln (AMG) werden Medikamente dann als apothekenpflichtig (nicht-verschreibungspflichtig) eingeordnet, wenn sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Gesundheit des Anwenders nicht gefährden, auch wenn sie ohne ärztliche Überwachung angewendet werden.

Apothekenpflichtige Arzneimittel sind mit Inkrafttreten des Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetztes (kurz GMG) seit 2004 von der Erstattung durch die GKV ausgenommen, sofern sie nicht für Kinder (bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres) oder für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen (bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres) verordnet werden. Weitere Ausnahmen regelt die so genannte Ausnahmeliste.

Arzneimittelbudget

Das Arznei-, Verband- und Heilmittelbudget wurde 1992 mit Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes eingeführt. Es wird jährlich zwischen den Verbänden der Krankenkassen und den zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen als Obergrenze für Arznei-, Verband- und Heilmittel für eine Region vereinbart.

Arzneimittelgesetz (AMG)

Das Arzneimittelgesetz ("Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln") regelt im Interesse einer ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung von Mensch und Tier die Sicherheit im Verkehr mit Arzneimitteln, insbesondere bezüglich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist vom behandelnden Arzt auszustellen. Sie ist Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Entgeltfortzahlungen des Arbeitgebers bzw. Krankengeldzahlungen der Krankenkasse.

Aufzahlungen

Bei Medikamenten, für die ein Festbetrag festgelegt wurde, tragen die gesetzlichen  Krankenkassen die Kosten nur in Höhe des Festbetrages. Liegt der Preis des  Medikamentes über diesem Festbetrag, müssen die  Patienten die Differenz zwischen Abgabepreis und Erstattung der Krankenkasse in Form einer Aufzahlung selbst zahlen. Sie können auch nicht davon befreit werden. Diese Aufzahlung muss zusätzlich zu den gesetzlichen Zuzahlungen entrichtet werden.

Ausnahmeliste

Die Verordnung von apothekenpflichtigen nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist nach § 34 Abs. 1 Satz 2 SGB V ausnahmsweise zulässig, wenn die Arzneimittel bei der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen als Therapiestandard gelten. Eine Krankheit gilt dann als schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich ist oder wenn sie aufgrund der Schwere der durch sie verursachten Gesundheitsstörung die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigt. Die so genannte Ausnahmeliste führt die entsprechenden schwerwiegenden Erkrankungen und die zu ihrer Behandlung bestimmten apothekenpflichtigen Arzneimittel auf, die ausnahmsweise erstattungsfähig sind.

Belastungsgrenze

Versicherte haben während eines Kalenderjahres nur Zuzahlungen bis zur Belastungsgrenze zu leisten; dabei werden alle Zuzahlungen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigt. Wird die Belastungsgrenze bereits innerhalb eines Kalenderjahres erreicht, stellt Ihnen Ihre Krankenkasse eine Bescheinigung aus, dass für den Rest des Kalenderjahres keine Zuzahlungen mehr zu leisten sind.

Die Belastungsgrenze beträgt zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Für Versicherte, die wegen derselben schwerwiegenden Erkrankung in Behandlung sind (siehe chronische Erkrankungen), beträgt sie ein Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen.

Chronische Erkrankungen (schwerwiegend)

Laut der vom Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen verabschiedeten „Chroniker-Richtlinie“ ist eine Erkrankung schwerwiegend chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang mit mindestens einer ärztlichen Behandlungen pro Quartal behandelt wurde (Dauerbehandlung) und eines der folgenden Merkmale vorliegt:

  • Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe 2 oder 3 nach dem zweiten Kapitel SGB XI
  • Grad einer Behinderung (GdB) von mindestens 60% oder Minderung der Erwerbsfähigkeit (MDE) von mindestens 60%, wobei eine Feststellung nach den Maßstäben des § 30 Abs. 1 BVG oder § 56 Abs. 2 SGB VII vorliegen muss und die Behinderung bzw. die Erwerbsunfähigkeit zumindest auch durch die schwerwiegende chronische Erkrankung begründet sein muss.
  • Erforderlichkeit einer kontinuierlichen, medizinischen Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln), ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die Erkrankung zu erwarten ist.

Durchgangsarzt

Ein Durchgangsarzt, kurz: D-Arzt, ist ein Facharzt (Facharzt für Chirurgie oder Orthopädie mit Spezialrichtung Unfallchirurgie), der eine besondere Zulassung der Berufsgenossenschaften hat. Er ist für die Behandlung nach Arbeitsunfällen zuständig.

Fahrtkosten

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für Fahrten einschließlich der Transporte, wenn sie im Zusammenhang mit einer Leistung der Krankenkasse aus zwingenden medizinischen Gründen notwendig sind. Welches Fahrzeug benutzt werden kann, richtet sich nach der medizinischen Notwendigkeit im Einzelfall. Die Krankenkasse übernimmt Fahrkosten zu einer ambulanten Behandlung unter Abzug der Zuzahlung nur nach vorheriger Genehmigung in besonderen Ausnahmefällen. Die Übernahme von Fahrtkosten bei ambulanter Behandlung ist also im Vorfeld bei Ihrer Krankenkasse zu beantragen, Antragformulare erhalten Sie von Ihrer Krankenkasse.

Außerdem übernimmt die Krankenkasse die Fahrkosten (nach Abzug der Zuzahlung):

  • bei Leistungen, die stationär erbracht werden; Fahrtkosten, die durch eine Verlegung in ein anderes Krankenhaus entstehen, werden nur dann übernommen, wenn die Verlegung aus zwingenden medizinischen Gründen erforderlich ist, oder wenn nach Einwilligung der Krankenkasse die Verlegung in ein wohnortnahes Krankenhaus erfolgt,
  • bei Rettungsfahrten zum Krankenhaus auch dann, wenn eine stationäre Behandlung nicht erforderlich ist,
  • wenn der Versicherte während der Fahrt eine fachlichen Betreuung oder besondere Einrichtungen eines Krankenwagens benötigt oder dies zu erwarten ist,
  • bei Fahrten von Versicherten zu einer ambulanten Krankenbehandlung, wenn dadurch eine an sich gebotene vollstationäre oder teilstationäre Krankenhausbehandlung vermieden oder verkürzt wird oder diese nicht ausführbar ist.

Als Fahrtkosten werden anerkannt:

  • bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel der Fahrpreis unter Ausschöpfen von Fahrpreisermäßigungen,
  • bei Benutzung eines Taxis oder Mietwagens, wenn ein öffentliches Verkehrsmittel nicht benutzt werden kann, der für Krankentransporte berechnungsfähige Betrag,
  • bei Benutzung eines Krankenkraftwagens oder Rettungsfahrzeuges, wenn ein öffentliches Verkehrsmittel nicht benutzt werden kann, der für Krankentransporte berechnungsfähige Betrag,
  • bei Benutzung eines privaten Kraftfahrzeuges für jeden gefahrenen Kilometer den nach Bundesreisekostengesetz festgesetzten Höchstbetrag, höchsten jedoch die Kosten, die bei oben genannten Transportmitteln entstanden wären.

Freie Arztwahl

Das Recht der freien Arztwahl ist im Sozialgesetzbuch (SGB V) verbrieft. Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung können unter den zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassenen Ärzten, den medizinischen Versorgungszentren oder ermächtigten und anderen zur ambulanten Versorgung zugelassenen Ärzten und Einrichtungen frei wählen. Sofern Sie als Versicherter ohne zwingenden Grund einen anderen als den nächstgelegenen Vertragsarzt wählen, haben Sie ev. Mehrkosten für Anfahrt etc. selbst zu übernehmen. Als Versicherter wählen Sie Ihren Hausarzt. Der behandelnde Arzt soll während eines Quartals nur bei Vorliegen eines wichtigen Grundes gewechselt werden.

Festbetrag

Der Festbetrag legt die Erstattungsobergrenze für ein Arzneimittel fest, bis zu der die gesetzliche Krankenkasse das Medikament erstatten muss. Verordnet Ihnen Ihr Arzt ein Arzneimittel, für das es einen Festbetrag gibt und das über dieser Erstattungsobergrenze liegt, so muss er Sie darüber aufklären. Den Differenzbetrag, der sich in diesem Fall zwischen tatsächlichem Preis und Festbetrag ergibt, müssen Sie als Versicherter selbst zahlen (so genannte Aufzahlung).

Generikum

Als Generikum wird ein Arzneimittel bezeichnet, das nach Ablauf des Patentschutzes mit gleichem Wirkstoff und in gleicher Wirkstärke wie das Originalprodukt angeboten wird.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist neben der Arbeitslosen-, Pflege-, Renten- und Unfallversicherung eine Säule des deutschen Sozialversicherungssystems. Träger der GKV sind Orts-, Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen sowie landwirtschaftliche Krankenkassen, die Seekrankenkasse und die Bundesknappschaft. Für Versicherte, deren Einkommen unter der Versicherungspflichtgrenze liegt, besteht Versicherungspflicht. Familienangehörige der Mitglieder ohne eigenes Einkommen sind in der GKV beitragsfrei mitversichert.

Grünes Rezept

Das Grüne Rezept dient der Empfehlung bzw. Verordnung von Arzneimitteln, die von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet werden. Der Arzt nutzt das Grüne Rezept, um Ihnen Arzneimittel zu verordnen, die - auch wenn sie nicht erstattet werden - aus ärztlicher Sicht sinnvoll und notwendig sind. Die Kosten des so verordneten Arzneimittels müssen Sie als Versicherter selbst tragen, dafür entfällt aber die sonst übliche Zuzahlung.

Sie können das Grüne Rezept auch dazu nutzen, um bei der Einkommens-Steuererklärung eine außergewöhnliche Belastung im Sinne der Abgabenordnung nachzuweisen.

Das Grüne Rezept wurde gemeinsam von der Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), dem Deutschen Apothekerverband e.V. (DAV) und Pharmaverbänden entwickelt.

Hausarztzentrierte Versorgung

Sie können sich als Versicherter gegenüber Ihrer Krankenkasse schriftlich verpflichten, ambulante fachärztliche Leistungen nur nach Überweisung eines Hausarztes, mit dem Ihre Krankenkasse einen Vertrag geschlossen hat, in Anspruch zu nehmen. Sie sind dann mindestens ein Jahr lang an diese Verpflichtung gebunden und können den gewählten Hausarzt nur bei wichtigem Grund wechseln.

Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, zur Sicherstellung der hausarztzentrierten Versorgung, Verträge mit besonders qualifizierten Hausärzten abzuschließen.

Importarzneimittel

Aufgrund des freien Warenverkehrs werden Arzneimittel in der EU frei gehandelt. Arzneimittelimporteure kaufen Arzneimittel dort ein, wo sie aufgrund der Preisbestimmungen besonders günstig verfügbar sind, und verkaufen diese dann in Märkten mit höherem Preisniveau. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass das Arzneimittel im jeweiligen Markt zugelassen ist. Man unterscheidet Parallel- und Reimporte.

Deutsche Apotheken sind verpflichtet, zum Zwecke der Kostenersparnis einen bestimmten Teil der Verordnungen und Rezepte mit Importarzneimitteln zu bedienen.

Integrierte Versorgung

Die Integrierte Versorgung beschreibt eine die verschiedenen Leistungssektoren übergreifende oder eine interdisziplinär-fachübergreifende Versorgung der Versicherten. Verträge der integrierten Versorgung können geschlossen werden zwischen Krankenkassen einerseits sowie Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern, Trägern von Rehabilitations- und Vorsorgeeinrichtungen oder deren Gemeinschaften andererseits.

Kassenärztliche Vereinigungen

Kassenärztliche Vereinigungen sind Körperschaften öffentlichen Rechts, die in der Regel auf Bundeslandebene agieren. Den Kassenärztlichen Vereinigungen gehören alle Vertragsärzte der jeweiligen Region an. Die Kassenärztliche Vereinigung vertritt die Rechte der Vertragsärzte gegenüber den Krankenkassen und überwacht die Einhaltung der Pflichten der Vertragsärzte. Sie ist außerdem für die Sicherstellung einer ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen vertragsärztlichen Versorgung zuständig.

Kostenerstattung

Im Unterschied zum Prinzip der Sachleistung werden im Falle der Kostenerstattung die Kosten einer Untersuchung bzw. Behandlung dem Patienten in Rechnung gestellt und von ihm vorfinanziert. Dem Patienten werden die Kosten anschließend gegen Vorlage der Rechnung – je nach Tarif ganz oder teilweise – von seiner Krankenkasse erstattet. Das Prinzip der Kostenerstattung findet vor allem innerhalb der Privaten Krankenversicherung Anwendung.

Leistungskatalog

Der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung beschreibt sämtliche Leistungen, die von der GKV erstattet werden und auf die Versicherte einen Anspruch haben.

Lifestyle-Medikamente

Die Bezeichnung Lifestyle-Arzneimittel beschreibt Arzneimittel, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht. Dies sind Arzneimittel, deren Einsatz im Wesentlichen durch die private Lebensführung bedingt ist. Sie sind in der Regel von der Erstattung durch die GKV ausgeschlossen. Ausgeschlossen sind insbesondere Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion, der Anreizung sowie Steigerung der sexuellen Potenz, zur Raucherentwöhnung, zur Abmagerung oder Zügelung des Appetits, zur Regulierung des Körpergewichtes oder zur Förderung des Haarwuchses dienen.

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Krankenkassen haben in bestimmten Fällen, insbesondere dann, wenn Art, Schwere, Dauer oder Häufigkeit einer Erkrankung dies erfordern, wenn Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit oder an der Notwendigkeit einer Leistung bestehen und in bestimmten Fällen auch vor Bewilligung von Leistungen eine gutachterliche Stellungnahme des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung einzuholen. Die Ärzte des medizinischen Dienstes sind bei der Wahrnehmung ihrer medizinischen Aufgaben nur ihrem ärztlichen Gewissen unterworfen. Sie dürfen nicht in die ärztliche Behandlung eingreifen.

OTC-Arzneimittel

Als OTC-Arzneimittel (Over-The-Counter) werden Arzneimittel bezeichnet, die in der Apotheke ohne Vorlage eines Rezeptes erhältlich sind, also rezeptfreie, apothekenpflichtige Medikamente.

Prävention

Unter Prävention werden alle vorbeugenden Maßnahmen verstanden, die geeignet sind, unerwünschte Erkrankungen oder Entwicklungen zu vermeiden.

Man unterscheidet folgende Formen der Prävention:

  • Primäre Prävention: Ausschaltung von gesundheitsgefährdenden Faktoren (Risiken)
  • Sekundäre Prävention: Sicherstellung frühestmöglicher Diagnose und Therapie, z. B. durch Vorsorgeuntersuchungen
  • Tertiäre Prävention: Begrenzung bzw. Ausgleich von Krankheitsfolgen

Rabattverträge

Mit dem Beitragssatzsicherungsgesetz hat der Gesetzgeber im Jahr 2003 für gesetzliche Krankenkassen die Möglichkeit geschaffen, mit pharmazeutischen Unternehmen Rabatte für die zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgegebenen Arzneimittel zu vereinbaren. Ziel war und ist es, damit Arzneimittelkosten zu sparen. Mit zusätzlichen Regelungen wurden Apotheken dazu verpflichtet, bevorzugt Rabattprodukte abzugeben, sofern der Arzt dies nicht ausdrücklich bei seiner Verordnung ausschließt.

Für Sie als Patient bedeutet das: Wenn Ihnen Ihr Arzt ein generisches Arzneimittel verordnet hat, ohne den Austausch des Medikamentes durch den Apotheker auf dem Rezept auszuschließen, muss Ihnen der Apotheker ein Arzneimittel mit gleichem Wirkstoff abgeben, für das ein Rabattvertrag mit einer Krankenkasse existiert. Wenn Ihr Arzt allerdings ein Arzneimittel verordnet, für das es bereits einen Rabattvertrag gibt, muss und wird der Apotheker dieses Arzneimittel abgeben.

Sachleistungsprinzip

Im Unterschied zum Kostenerstattungsprinzip erhalten die Versicherten beim Sachleistungsprinzip die erforderlichen medizinischen Leistungen als Sachleistung, ohne dafür in Vorleistung treten zu müssen. Die Leistungen werden von den Erbringern, das sind z. B. Ärzte oder Apotheken, gegenüber der Krankenkasse abgerechnet, hierzu schließen die Kassen mit den Leistungserbringern Verträge.

Selbstverwaltung

Die gemeinsame Selbstverwaltung ist die eigenverantwortliche Verwaltung der Ärzte und Krankenkassen. Sie regelt die Beziehungen und die Zusammenarbeit der Leistungserbringer sowie die Umsetzung gesetzlicher Normen. Im deutschen Gesundheitssystem kommt der gemeinsamen Selbstverwaltung eine große Bedeutung zu.

Solidaritätsprinzip

Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland gehorcht dem Solidarprinzip. Das heißt, die Beiträge, die die Versicherten in der GKV leisten, richten sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Versicherten. Jedes Mitglied zahlt unabhängig von Alter, Geschlecht oder Gesundheitszustand einen prozentual gleichen Beitrag von seinem Bruttoeinkommen. Besser Verdienende zahlen absolut mehr ein als gering Verdienende und stützen damit die Solidargemeinschaft. Alle Versicherten haben unabhängig von der Höhe ihrer Beitragszahlungen Anspruch auf gleiche medizinische Leistungen. Einzige Ausnahme bilden Lohnersatzleistungen wie zum Beispiel das Krankengeld.

Versichertenkarte

Die Versichertenkarte enthält Angaben zum Versicherten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum sowie zu dessen Status, zum Beispiel Mitglied oder Familienangehöriger. Krankheitsbezogene Daten werden nicht auf der Karte gespeichert. Mit Vorlage der Versichertenkarte dokumentieren Sie gegenüber dem Arzt und anderen Leistungserbringern Ihren Anspruch auf medizinische Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Krankenversichertenkarte ist deshalb vor Beginn einer Behandlung vorzulegen. Nur in dringenden Fällen darf die Krankenversichertenkarte nachgereicht werden.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel

Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nur bei Vorliegen einer ärztlichen oder zahnärztlichen Verschreibung abgegeben werden (§ 48 Arzneimittelgesetz). Die Abgabe darf nur durch eine Apotheke erfolgen. Die Entscheidung, ob ein Arzneimittel verschreibungspflichtig ist oder nicht, richtet sich nach dessen Wirkung, Art und Umfang der Nebenwirkungen sowie den Risiken, die bei nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch auftreten können.

Versicherungspflichtgrenze

Die Versicherungspflichtgrenze legt fest, ab welchem Jahresbruttoentgelt Beitragsfreiheit besteht. Angestellte Versicherte, deren Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt, können sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (Freiwillig Versicherte) oder in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichern.

Wahltarife

Gesetzliche Krankenkassen können ihren Versicherten Wahltarife anbieten. Mögliche Wahltarife sind:

  • die Einführung eines Selbstbehaltes, das heißt, die Mitglieder übernehmen einen Teil der durch die Krankenkasse zu tragenden Kosten selbst (Selbstbehalt).
  • die Zahlung von Prämien, zum Beispiel an Versicherte, wenn sie und ihre mitversicherten Angehörigen in einem Kalenderjahr keine Leistungen zu Lasten der Kasse in Anspruch genommen haben; die Prämienzahlung darf ein Zwölftel der im Kalenderjahr gezahlten Beiträge nicht überschreiten.
  • die Nutzung der Kostenerstattung; dabei kann die Kasse die Kostenerstattung variieren und spezielle Prämienzahlungen durch die Versicherten vorsehen.
  • die Kostenübernahme für Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen (homöopathische, phytotherapeutische und anthroposophische Arzneimittel), die sonst von der Erstattung ausgeschlossen sind; die Kasse kann hierfür spezielle Prämienzahlungen durch die Versicherten vorsehen.

Die Mindestbindungsfrist für diese Wahltarife beträgt drei Jahre. Die Satzung der Krankenkasse hat Sonderkündigungsrechte in besonderen Härtefällen vorzusehen.

Darüber hinaus sind gesetzliche Krankenkassen verpflichtet, für Versicherte, die an besonderen Versorgungsformen (u. a. Modellvorhaben, Hausarztzentrierte Versorgung, besondere ambulante ärztliche Versorgung, Integrierte Versorgung) teilnehmen, gesonderte Tarife anzubieten. Für diese Versicherten kann die Krankenkasse eine Prämienzahlung oder eine Zuzahlungsermäßigung vorsehen.

Zuzahlungen

Zuzahlungen sind von gesetzlich Versicherten grundsätzlich für alle verordneten Mittel (Arznei- und Verbandmittel) zu leisten. Sie betragen zehn Prozent des Abgabepreises, mindestens jedoch fünf Euro und höchstens zehn Euro; allerdings jeweils nicht mehr als die Kosten des Mittels.

Bei stationären Maßnahmen, z. B. Krankenhausaufenthalt, sind je Kalendertag zehn Euro zu zahlen.

Bei Heilmitteln und häuslicher Krankenpflege beträgt die Zuzahlung zehn Prozent der Kosten sowie zehn Euro je Verordnung. Alle geleisteten Zuzahlungen sind zu quittieren. Zuzahlungen sind nur so lang zu zahlen, bis die Belastungsgrenze des Versicherten erreicht ist.

Zuzahlungsbefreite Arzneimittel

Seit dem Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz von 2006 sind viele Medikamente von der Zuzahlung befreit. Davon betroffen sind Medikamente, für die ein Festbetrag existiert und eine Zuzahlungsbefreiungsgrenze festgelegt wurde. Informationen zu aktuell zuzahlungsbefreiten Medikamenten erhalten Sie auf den Internetseiten der gesetzlichen Krankenkassen oder von Ihrem Arzt oder Apotheker.

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