Harnwegsinfektionen
Infektionen der Harnwege sind weit verbreitet und gehen mit unangenehmen Beschwerden, oft auch mit Schmerzen einher und neigen dazu, wiederholt aufzutreten. Das Krankheitsbild der Harnwegsinfektion hat viele Gesichter und kann das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Frauen sind von Harnwegsinfektionen etwa viermal häufiger betroffen als Männer.
Das Harnsystem – besonders anfällig für Infektionen
Die Harnorgane, bestehend aus linker und rechter Niere, den beiden Harnleitern, der Harnblase und der Harnröhre, bilden ein in sich geschlossenes System. Der Urin des Menschen wird in den Nieren aus dem Blut herausgefiltert und über die Harnleiter zur Harnblase transportiert. Bei Entleerung der Harnblase wird der Urin über die Harnröhre ausgeschieden. Normalerweise sind die Harnorgane des Menschen frei von Bakterien.
Relativ häufig können jedoch Harnwegsinfektionen auftreten, die sich leicht innerhalb des gesamten Systems ausbreiten können. So kann sich aus einer harmlosen Blasenentzündung, die durch Unterkühlung verursacht wurde, eine gefährliche Nierenbeckenentzündung entwickeln.
Grundsätzlich unterteilt der Arzt Harnwegsinfektionen nach Lokalisation bzw. Schweregrad in unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfekte. Für die Behandlung sind dies wichtige Unterscheidungen.
Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten liegen keine den Harnabfluss behindernden Störungen durch z. B. Harnsteine oder Erkrankungen, die die körpereigene Abwehr schwächen, vor. Zu den unkomplizierten Harnwegsinfekten gehört die am häufigsten vorkommende Entzündung der Harnblase, auch Blasenentzündung (Zystitis) genannt. Blasenentzündungen treten besonders oft bei Frauen auf, weil diese im Gegensatz zu Männern nur eine kurze Harnröhre haben, die in der Nähe von Scheide und Darmausgang mündet. Dadurch können Krankheitserreger sehr viel leichter in die Blase vordringen. Begünstigt wird eine Blasenentzündung durch:
- Unterkühlung
- Stress
- Monatsblutung
- Verwendung von Scheidenspülungen und chemischen Verhütungsmitteln
- Hormonstörungen in den Wechseljahren und Gebärmuttersenkungen
- Prostatavergrößerung
Komplizierte Harnwegsinfekte sind alle Infekte, bei denen komplizierende Faktoren wie Behinderung des Harnflusses (z. B. durch Harnsteine), eine Schwächung der Immunabwehr, Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselerkrankungen vorliegen. Bei komplizierten Harnwegsinfekten sind in der Regel Nierenbecken und Nieren mit betroffen.
Bei etwa einem Fünftel der Patienten – überwiegend Frauen – kommt es immer wieder zu Rückfällen, den so genannten rezidivierenden Harnwegsinfektionen (in kürzeren Zeitabständen immer wieder auftretende Harnwegsinfekte).
Es gibt auch akute Blasenentzündungen, die sich lediglich durch häufigen Harndrang bemerkbar machen und ansonsten beschwerdefrei verlaufen. Hier besteht besonders die Gefahr des "Verschleppens"; werden Blasenentzündungen nämlich nicht erfolgreich auskuriert, kann sich daraus eine chronische Erkrankung entwickeln.
Bei komplizierten Harnwegsinfekten sind die Beschwerden zunächst ähnlich wie bei einer unkomplizierten Harnwegsinfektion, verlaufen aber oft heftiger, können sich verschlimmern und sollten grundsätzlich ernst genommen werden. Hinzu kommen weitere Beschwerden:
- Schüttelfrost
- Schmerzen in Damm- und Genitalregion
- Flankenschmerzen, Flankenschwellung
- ungewollter Urinverlust unter Harndrang
- sichtbare Blutbeimengungen im Urin
- Ausfluss aus der Harnröhre
- Krankheitsgefühl wie bei Grippe
- Übelkeit, Erbrechen.
Solche schwerwiegenden Harnwegsinfektionen müssen ärztlich behandelt werden. Wird die Erkrankung nicht richtig behandelt oder verschleppt, wächst das Risiko für eine Schädigung der Nieren mit Funktionseinschränkungen bis hin zum Nierenversagen (auch akutes Nierenversagen).
Symptome eines Harnwegsinfektes
Ein unkomplizierter Harnwegsinfekt äußert sich allgemein durch folgende typische Beschwerden:
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- häufiger Harndrang bei nur geringer Harnabgabe
- Unterbauchbeschwerden.
Neben diesen klassischen Beschwerden ist der Urin oft getrübt und enthält manchmal sichtbare Beimengungen von Blut.
Bei einem unkomplizierten Harnwegsinfekt können mitunter auch die Nieren betroffen sein. In diesem Fall kommen häufig Symptome wie Fieber, Schmerzen in der Nierengegend und Abgeschlagenheit hinzu. Bei solchen Beschwerden sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, damit die Therapie der Situation angepasst wird.
Diagnostik der Harnwegsinfektionen
Der Arzt wird durch eine körperliche Untersuchung und Urinanalyse feststellen, ob es sich um einen Harnwegsinfekt oder um eine andere Erkrankung, z. B. um eine Scheiden- oder Prostataentzündung, handelt. Die Urinuntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob sich weiße oder rote Blutkörperchen, Eiweiß oder Bakterien darin befinden. Die im Urin befindlichen Bakterien können analysiert (Erregernachweis) und im Labor auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten getestet werden (Antibiogramm). Bestimmte Blutuntersuchungen geben Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der Nieren.
Bei starken Beschwerden kann der Arzt auch mit einer Ultraschalluntersuchung feststellen, ob die Harnwege durch einen Harnstein oder aus anderen Ursachen gestaut sind.
Therapie unkomplizierter Harnwegsinfektionen
Damit die Harnwege gut durchgespült werden, ist viel Trinken – z. B. Wasser, Blasen- und Kräutertees, Saftschorlen – bei einem akuten Harnwegsinfekt besonders wichtig. Zusätzlich bringen auch schon eine Wärmeflasche, ein heißes Bad und leichte, krampflösende Schmerzmittel eine rasche Linderung der Beschwerden.
Die unkomplizierte Harnwegsinfektion der Frau wird heute mit einer Kurzzeitgabe von Antibiotika (Einmalgabe bis dreitägige Behandlung) behandelt. Die Gefahr einer Resistenzentwicklung der auslösenden Keime ist bei der Kurzzeitgabe geringer als bei einer längeren Behandlung, es treten auch weniger Nebenwirkungen auf.
Eine einfache Nierenbeckenentzündung sollte sieben bis 14 Tage mit Antibiotika behandelt werden. In der Regel kann die Behandlung ambulant mit Tabletten durchgeführt werden.
Therapie komplizierter Harnwegsinfektionen
Bei der Auswahl und Einnahmedauer der notwendigen Antibiotika richtet sich der Arzt nach der Art der Harnwegsinfektion. Die verordneten Medikamente müssen lange genug und in ausreichend hoher Dosierung eingenommen werden, denn selbst wenn die Beschwerden schon abgeklungen sind, kann es noch eine Weile dauern, bis z. B. stark vereiterte Entzündungsherde völlig ausheilen.
Bei schwereren komplizierten Harnwegsinfektionen, insbesondere wenn sie mit Übelkeit und Erbrechen verbunden sind, kann der Arzt in den ersten Tagen Infusionsbehandlungen mit Antibiotika einsetzen. Dabei werden häufig zwei Medikamente kombiniert, weshalb eine stationäre Behandlung über einige Tage erforderlich sein kann. Nach Besserung der Beschwerden wird dann oft mit nur einem Medikament in Tablettenform weiterbehandelt.
Bei Männern mit Abszessbildung in der Prostata oder bei Männern und Frauen mit Abszessbildung in der Niere kann eine medikamentöse Behandlung bis zu drei Monaten notwendig sein.
Therapie rezidivierender Harnwegsinfekte
Immer wieder auftretenden Harnwegsinfekten kann vorgebeugt werden, indem über einen längeren Zeitraum (drei bis sechs Monate) bestimmte Antibiotika in sehr niedriger Dosierung verabreicht werden. Eine andere Möglichkeit ist die Immunisierung gegen bestimmte Erreger (Escherichia coli), die durch Spritzen oder Tabletten erfolgen kann.
Durch Physiotherapie und Balneotherapie, z. B. mit Kohlensäurewannenbädern, Fangopackungen, Wechselduschen der Beine und Bewegungsbehandlungen, kann darüber hinaus eine allgemeine Abwehrsteigerung des Körpers erreicht werden.
Durch die Beachtung von Verhaltensregeln können Sie auch selbst entscheidend zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten beitragen.