Harnblasenkrebs

Die Harnblase - Welche Aufgaben hat sie und wo liegt sie im Körper?

Die Harnblase (Vesica urinaria) ist ein Hohlorgan, das von einer Schicht aus glatter Muskulatur umgeben ist. Die Blase liegt im vorderen Bereich des kleinen Beckens direkt hinter der Symphyse (Schambeinfuge) und den Schambeinen. Der obere Bereich der Blase ist vom Bauchfell bedeckt (siehe Abbildung).

Die Harnblase ist ein Sammelorgan für Urin. Urin entsteht durch Filtern des Blutes in den Nieren. Dann wird der Urin über die Harnleiter in die Blase transportiert, dort gesammelt und über die Harnröhre nach außen abgegeben. Man spricht bei der Harnblase von einem Hohlmuskel. Die Blasenwand ist durch den Aufbau der Muskulatur einerseits leicht dehnbar (Füllungskapazität), andererseits kann sich die Muskulatur so zusammenziehen, dass die Blase entleert wird. Die Harnblase wird an der Innenseite von einer Schleimhautschicht (Mucosa, auch Urothel genannt) ausgekleidet. Unter der Schleimhaut befinden sich Bindegewebe (Lamina propria), darauffolgend Muskelschichten und außen nochmals eine Bindegewebsschicht, den Abschluß bildet eine Fettgewebsschicht, die sog. Adventitia.

Ursache, Entstehung und Vorkommen - Was ist ein Harnblasenkarzinom?

Wie Krebs entsteht ist noch weitgehend ungeklärt. Er entwickelt sich in den Zellen unseres Körpers. Gesunde Zellen wachsen, teilen und vermehren sich, um die Gesundheit und Funktionstüchtigkeit des Körpers zu erhalten. Es können aber Zellen außer Kontrolle geraten. Sie teilen sich unkontrolliert. Diese überschüssigen Zellen bilden einen Tumor. Dieser kann gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein.
Bösartige Tumore nennt man auch Krebs (Karzinom). Die Zellen sind verändert. Die Teilung der Zellen ist unkontrolliert, die Zellen dringen in das benachbarte Gewebe ein und können dieses zerstören. Diese "planlosen" Zellen können sich auch vom Tumor lösen und durch die Blutbahn oder das lymphatische System in andere Körperregionen eindringen und sich so zu Metastasen (Tochtergeschwülsten) entwickeln.

Die Ursache der Entstehung bösartiger Tumore ist noch weitgehend unbekannt. Es sind aber eine Reihe von Faktoren zu nennen, die das Risiko, einen Harnblasentumor zu entwickeln, erhöhen. Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Rauchen. Der Kontakt mit bestimmten chemischen Stoffen (besonders sind hier die aromatischen Amine zu nennen) kann das Risiko an einem Harnblasentumor zu erkranken, erhöhen. Arbeiter, die mit diesen chemischen Stoffen gearbeitet haben und einen Harnblasentumor entwickelten, können dies als Berufskrankheit anerkennen lassen. Das kann unter anderem Tätigkeitsbereiche in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, Gummi-Industrie, Farbanwendungen im Malerhandwerk, Textilindustrie, Lederverarbeitung, Druckereien, Raffinerien, Kokereien, Gaswerken oder Schornsteinfeger betreffen. Obwohl heute durch Arbeitschutzmaßnahmen das Risiko stark vermindert wurde, können immer noch berufsbedingte Urothelkarzinome auftreten, da die Entwicklungszeit (Latenzzeit bis zu 40 Jahren) für diesen Tumor sehr lang ist.

Als Risikofaktoren werden weiterhin eine chronische Blasenentzündung, eine gehäufte Einnahme von Schmerzmitteln mit dem Wirkstoff Phenazetin oder eine über Jahre anhaltende Infektionskrankheit angesehen.

Ca. 25.000 Neuerkrankungen an Harnblasentumoren werden pro Jahr in Deutschland verzeichnet. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 72 und für Frauen bei 74 Jahren (siehe Abbildung). Die Tumore gehen zum größten Teil von der Schleimhaut (Urothel) der Harnblase aus.

 

Abbildung: Altersspezifische Erkrankungsraten in Deutschland nach Geschlecht pro 100.000, für 1980, 1990 und 2006, Bösartige Neubildung der Harnblase (nicht-invasiv und invasiv), Quelle: Robert Koch Institut 2010

Symptome - Woran erkenne ich ein Harnblasenkarzinom?

Bei einem Harnblasenkrebs sind oft gar keine Frühsymptome erkennbar. Häufig verursacht Harnblasenkrebs in frühen Stadien kaum Beschwerden. Eine Blutung des Tumors (Makrohämaturie) ist oft schmerzlos. Bei ca. 80 % aller Patienten mit Harnblasenkrebs tritt dieses Beschwerdebild auf. Der Urin ist rötlich bis braun verfärbt. Weiterhin können häufiges Wasserlassen (Pollakisurie) oder Harndrang, bei dem kein Harn ausgeschieden wird oder unspezifische subjektive Beschwerden ein Hinweis auf ein Harnblasenkarzinom sein. Im fortgeschrittenen Stadium können Schmerzen des seitlichen Körperrumpfes, tastbarer Tumor im Bauchraum, Lymphknotenvergrößerungen, Lymph- oder Venenstauung oder Knochenschmerzen auftreten.

Die aufgeführten Symptome können zwar auf eine bösartige Erkrankung der Blase hindeuten, allerdings sind auch andere Ursachen dafür denkbar, die völlig harmlos sind. Auf jeden Fall sollte dies vom Facharzt für Urologie abgeklärt werden. Denn Harnblasenkrebs im Frühstadium kann gut therapiert werden und ist dauerhaft heilbar. Auch bei einem fortgeschrittenem Karzinom kann die verbleibende Lebensspanne erträglich und lebenswert gestaltet werden.

Behandlung

Üblicherweise werden die nicht-invasiven (in den obersten Schichten der Blasenwand) Harnblasenkarzinome mit der TUR-B vollständig entfernt. Unmittelbar nach der Operation (innerhalb der ersten 6 Stunden, aber nicht später als 24 Stunden) wird eine so genannte Frühinstillation mit einem Zytostatikum (meistens wird Mitomycin verwendet) durchgeführt. Diese Frühinstillation soll versprengte Tumorzellen abtöten und die Adhäsion (Anheften) dieser Zellen an das Urothel verhindern. Die nicht-invasiven Harnblasenkarzinome haben die Neigung an der gleichen oder an einer anderen Stelle erneut aufzutreten. Sie bilden Rezidive.

Um das Wiederauftreten des Tumors bzw. das Fortschreiten der Erkrankung wirksam zu verhindern, sollte nach der operativen Entfernung des Tumors eine regelmäßige Blasenspülung (intravesikale Instillationsbehandlung) durchgeführt werden. Um einen eventuell neu auftretenden Tumor möglichst frühzeitig zu erkennen, d. h. bevor er Beschwerden verursacht oder tiefer in die Blase wächst, sind regelmäßige Blasenspiegelungen (Zystoskopien) erforderlich. Zusätzlich wird der Urin auf veränderte Zellen untersucht.

Bei der Blasenspülung werden über einen dünnen Katheter - durch die Harnröhre - Medikamente in die Harnblase eingebracht. Es gibt zwei Medikamentengruppen, die dazu eingesetzt werden:

  • Immuntherapeutika - Hierbei sollen die Arzneimittel das körpereigene Immunsystem zur Abwehr von Tumorzellen anregen
  • Zytoststatika - Diese Medikamente zerstören die Zellen, indem sie deren Erbgut verändern

Weitere Informationen zum Thema Harnblasenkrebs bietet Ihnen unser Patientenratgeber Harnblasenkarzinom, den Sie sich im Bereich Servicematerial herunterladen können.

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