Prostatakrebs
Die Prostata
Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre ringförmig. Im Volksmund wird die Prostata auch "Vorsteherdrüse" genannt und hat im gesunden Zustand etwa die Größe einer Kastanie. Im Laufe des Lebens eines Mannes wächst die Prostata ab dem 40. Lebensjahr stetig. Dies ist ein normaler und physiologischer Prozess, der als benigne Prostatavergrößerung (BPS = benignes Prostata Syndrom) bezeichnet wird. Diese gutartige Prostatavergrößerung unterscheidet sich in Entstehung und Krankheitsverlauf komplett von einem Prostatakrebs.
(1) Blase
(2) Blasenhals
(3) Samenleiter
(4) Samenblasen
(5) Prostata
(6) Enddarm
(7) äußerer Schließmuskel
(8) Harnröhre
(9) Nebenhoden
(10) Hoden
Ursache, Entstehung und Vorkommen
Die Ursachen, die zu einem Prostatakarzinom führen sind nicht vollständig geklärt. Die folgenden Faktoren tragen vermutlich zu seiner Entstehung bei:
- Hormonstatus,
- Erbanlage,
- Ernährung,
- Alter und
- ungesunde Lebensführung.
Der Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes in den westlichen Industrieländern. In Deutschland erkranken mehr als 40.000 jedes Jahr. Prostatakrebs ist die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Etwa 12.000 Männer sterben jedes Jahr an dieser Erkrankung.
Die Erkrankungshäufigkeit steigt mit dem Alter an. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung beträgt 71 Jahre. Die Sterblichkeit ist in den letzten Jahren deutlich gesunken, da der Prostatakrebs heute immer früher entdeckt wird. Im Frühstadium kann der Prostatakrebs häufig erfolgreich behandelt werden. Aber auch im fortgeschrittenen Stadium kann der Prostatakrebs häufig über viele Jahre kontrolliert und erfolgreich behandelt werden.
Symptome
Am Anfang der Erkrankung sind so gut wie keine Beschwerden erkennbar. Der Prostatakrebs entsteht häufig in den äußeren Regionen der Drüse und beengt die Harnröhre erst dann, wenn der Krebs schon recht groß ist. Beim Prostatakrebs können Symptome (schwacher Harnstrahl, Harnstottern, Nachträufeln, häufiges Wasserlassen) neben unspezifischen Symptomen wie Rheumaschmerzen und Leistungsminderung oder Blut im Urin bzw. Sperma, auf ein Spätstadium der Prostataerkrankung hinweisen. Ischiasbeschwerden und Knochenschmerzen können von Tochtergeschwulsten (Metastasen) verursacht werden. Tritt eine Impotenz akut auf, kann dies ebenfalls auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms hindeuten.
Aus diesen Gründen sind die jährlichen urologischen Vorsorgeuntersuchungen so wichtig!
Diagnosemethoden
Je früher der Prostatakrebs erkannt wird, umso besser kann behandelt und sogar geheilt werden. Ist der Krebs noch im Frühstadium, d. h. z. B. auf die Prostata beschränkt, sind die Heilungschancen relativ günstig.
Untersuchungen zur Diagnosestellung Digitale-rektale Untersuchung (DRU): Der Urologe tastet mit seinem Finger durch den Enddarm und kann dabei gutartige Vergrößerungen, verdächtige Knoten und Verhärtungen erfühlen.
Eine sinnvolle Ergänzung bietet die transrektale Ultraschalluntersuchung und die Bestimmung des PSA-Wertes. Es sollten immer mehrere PSA-Werte im zeitlichen Verlauf betrachtet werden. Das Verhältnis freies PSA zu Gesamt-PSA gibt einen weiteren Hinweis auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms.
Im Allgemeinen wird von Werten
- im Normalbereich von 0 - 4 ng/ml
- im Graubereich von > 4 - 10 ng/ml
- im Bereich eines Karzinomverdachts > 10 ng/ml ausgegangen.
Weiterführende Untersuchungen
Die Biopsie schafft endgültige Klarheit. Bei der Biopsie wird durch den Enddarm über eine Hohlnadel gezielt Prostatagewebe entnommen. Die Gewebeentnahme erfolgt unter örtlicher Betäubung. Die feingewebliche, mikroskopische Untersuchung der entnommenen Gewebeproben gibt innerhalb einiger Tage Aufschluss darüber, ob ein Prostatakarzinom vorliegt und wie der Tumor zu klassifizieren ist. Die Klassifikation ist wichtig, da sich nach der Klassifizierung des Tumors die Therapie richtet.
Die Behandlung richtet sich nach dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung (Ergebnis der Biopsie) und der Ausbreitung des Tumors und ist der individuellen Situation des Patienten anzupassen. Die wesentlichen Therapiemöglichkeiten sind Abwarten und Beobachten, Operation, Bestrahlung, antihormonelle Therapie und Chemotherapie. Diese Möglichkeiten zur Therapie werden auch kombiniert. Bei Tumoren, die auf die Prostata beschränkt sind, ist die Radikale Prostatatektomie das Mittel der Wahl, um eine dauerhafte Heilung zu erreichen.
Ist das Prostatakarzinom fortgeschritten, d. h. der Tumor hat sich lokal weit ausgebreitet oder es liegen Metastasen vor ist der Tumor nicht mehr heilbar. Es stehen aber weitere adjuvante Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Bis Stadium T1-3 N1 M0 ist die radikale Prostatatektomie sinnvoll. Bei höheren Stadien (T1-4 N1 M1) und Metastasierung wird die adjuvante Hormontherapie, die im gesamten Körper wirksam ist, eingesetzt.
Die Testosteronbildung im Hoden wird durch die operative Entfernung der Hoden oder durch Medikamente, die die Wirkung des Hormons blockieren, unterbunden. Dadurch wird das Wachstum des Prostatakarzinoms oft auch für Jahre gestoppt. Heute steht die antiandrogene Therapie mit LH-RH (Luteinisierungshormon-freisetzendes Hormon)-Agonisten im Vordergrund.
Eine Chemotherapie mit zellwachstumshemmenden Medikamenten (Zytostatika) ist für den langsam wachsenden Prostatakrebs ungeeignet und wird nur palliativ im Endstadium eingesetzt. Um Schmerzen zu lindern werden die Knochenmetastasen bestrahlt und mit Bisphosphonaten behandelt.
Alle Therapien haben mehr oder weniger Auswirkungen auf Ihr sexuelles Interesse und Ihre Potenz. Hier kann es in der Partnerschaft zu Problemen und Missverständnissen kommen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Partnerin, es kann so zu einem erfolgreichen Umgang mit Ihrer Krankheit kommen und vielleicht neue Wege zu einer erfüllten Partnerschaft eröffnen.
Weiterhin ist ein intaktes Immunsystem wichtig. Tun Sie sich was Gutes! Achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Auch Bewegung an der frischen Luft kann das Allgemeinbefinden positiv beeinflussen. Leichter und regelmäßiger Ausdauersport sind ideal.
Nehmen Sie die Termine zur Kontrolluntersuchung wahr, so dass ein eventuelles Fortschreiten des Tumors schnell erkannt wird und gegengesteuert werden kann.
Wird eine Hormonbehandlung durchgeführt, sollte aufgrund des erhöhten Osteoporose-Risikos alle 1-3 Jahre eine Knochenuntersuchung durchgeführt werden.